Dimitri de Perrot

OPEN STUDIO

Ein kollaboratives Theaterlabor für Inszenierung mit Klang
Mit Zainab J Lascandri, RRRRRR Collective, Anna Papst/Vincent Glanzmann, Fazil On Yu
Ein Projekt von Dimitri de Perrot / Studio DdP in Kooperation mit der Gessnerallee Zürich
Dezember 2025 - März 2026, Gessneralle Zürich – Südbühne

OPEN STUDIO lädt zum Zuhören ein – vier Gruppen erforschen, wie sich mit Klang inszenieren lässt und teilen ihre Suche nach neuen Theaterformen in abschliessenden Open Studios.

PRESSETEXT

Im OPEN STUDIO erforschen Künstler:innen aus verschiedenen Disziplinen zusammen mit Dimitri de Perrot an Inszenierungen mit Klang als zentralem Gestaltungsmittel. Sie entwickeln Ideen, Perspektiven und künstlerische Haltungen: Wie lässt sich mit Klang erzählen, gestalten, denken? Welche Räume entstehen durch Zuhören? Welche Formen des Theaters können daraus wachsen? Im Zentrum steht nicht das Ergebnis, sondern der Prozess – ein künstlerisches Forschen, das aus der Praxis heraus neue Wege sichtbar macht. Im Mittelpunkt der Forschungsresidenzen stehen Austausch, Praxis und gegenseitiges Lernen.

Vier Monate lang wird auf der Südbühne der Gessnerallee in vier eigenständigen Arbeitsformaten nach neuen Inszenierungsformen gesucht und am Schluss mit dem Publikum geteilt – getragen von der Idee des Zuhörens als künstlerischem, sozialem und politischem Akt. Die Themen reichen von transnationaler Distanz (RRRRRR Collective) über patriarchale Zuschreibungen (Papst/Glanzmann) bis zu Erfahrungen Schwarzer Menschen in Europa (Fazil On Yu) und der Unsichtbarkeit marginalisierter Identitäten (Zainab Lascandri). Alle Projekte gehen von biografischen Fragmenten, Interviews oder persönlichen Archiven aus und transformieren diese in poetisch verdichtete Klangräume.

Dimitri de Perrot forscht seit über zehn Jahren mit seinen Kreationen an der Schnittstelle von Klang, Raum und Inszenierung. OPEN STUDIO ist eine konsequente Weiterentwicklung dieser Praxis – und ein Akt des Teilens. Hier öffnet er sein Erfahrungswissen, um andere Künstler*innen einzuladen, in ihrer eigenen Sprache und Ästhetik den Möglichkeiten klangbasierter Erzählformen nachzugehen. Nicht als Anleitung, sondern als Einladung: gemeinsam zu erkunden, was entsteht, wenn Theater von Klang und Hören her erschaffen wird. In einer Welt, die von polarisierenden Bildern und verführerisch einfachen Meinungen überflutet und beherrscht wird, braucht es Räume eines geschulten Zuhörens mehr denn je.

Was wir hören, gehört uns.

Was wir daraus machen, verändert,

wie wir leben.


DIE RESIDENZEN

RESIDENZ DEZEMBER 2025
Aufführungen 16.12. – 18.12.2025

Photo © Zainab J Lascandri
Photo © Zainab J Lascandri

Zainab J Lascandri
supported by Fatima Moumouni, Tracy September & Brandy Butler

Zainab J Lascandri ist Performerin, Musikerin, trans- und interdisziplinäre Künstlerin. Ihre Praxis bewegt sich zwischen Populkultur und zeitgenössischer Kunst, zwischen kollektiven Prozessen und persönlichem Ausdruck. In ihren Arbeiten verwischt sie Kategorien, dekonstruiert Zuschreibungen und schafft Räume jenseits etablierter Normen.

Projektbeschrieb
«Imagine A Black Child»

Für OPEN STUDIO bringt sie IMAGINE A BLACK CHILD als Ausgangsmaterial mit – ein polyphones Archiv aus eigener Textarbeit, aufgenommenen Klängen und produzierten Sounds. Es verdichtet diasporische Erfahrungen im Kontext Schweiz: vom Kindsein in den 1980er- und 90er-Jahren über das Erwachsenwerden in den 2000ern bis hin zu Mutterschaft und Älterwerden in der Gegenwart.

Begleitet von Fatima Moumouni, Tracy September und Brandy Butler wird sie Fragmente, Szenen und Stimmungen neu bearbeiten und in eine klanglich-szenische Form überführen. Im Zentrum: Unsichtbarkeit – als soziale Erfahrung, als ästhetische Strategie, als Frequenz des Ungesagten. Welche Textur hat das Verschwiegen? Welche Zukunft trägt das Echo? Zwischen Sound Studies, spekulativer Fiktion und subversivem Humor untersucht sie, wie Lust und Freude als Resonanzräume Hoffnung entfalten.

RESIDENZ JANUAR 2026
Aufführungen 29.01. – 31.01.2026

Photos © courtesy of the artists

RRRRRR Collective
Keng Chen, Wen-Chi Liu, Eneas Nikolai Prawdzic, Dino Radoncic,
Nathalie Stirnimann und Stefan Stojanovic

Das transdisziplinäre RRRRRR Collective wurde 2018 von Keng Chen, Wen-Chi Liu, Dino Radoncic, Eneas Prawdzic, Nathalie Stirnimann und Stefan Stojanovic 2018 in Hong Kong ins Leben gerufen. Der Name „RRRRRR“ spielt mit einem sprachlichen Witz. Der Buchstabe „R“ ist in vielen Sprachen schwer auszusprechen. Er steht sinnbildlich für die Bereitschaft, kulturelle und sprachliche Gräben zu überbrücken, auch wenn das gegenseitige Verständnis unvollständig bleibt; allein dadurch, dass man etwas verschieden ausspricht.

Das Kollektiv arbeitet häufig mit Sprache, Wortspielen und trockenem Humor als Ausgangspunkt künstlerischen Denkens, was sich oft auch in den Titeln seiner Arbeiten niederschlägt. Der Ausgangspunkt ihrer Arbeiten ist stets die Suche nach künstlerischen Wegen, über Kontinente, Grenzen und kulturelle Unterschiede hinweg miteinander in Verbindung zu bleiben.

Projektbeschrieb
«Wen Keng We Meet? – On Connection»

Trotz Globalisierung erleben wir eine Wiederkehr von Grenzen, Spaltungen und geopolitischen Spannungen. Wie können wir inmitten dieser Entwicklungen in Verbindung bleiben? Dieser Frage stellt sich das translokale RRRRRR Collective in seiner neuesten Arbeit Wen Keng We Meet? – On Connection.

Dafür machen sich die in Shanghai lebende Performerin Keng Chen und die in Taipei lebende Künstlerin Wen-Chi Liu auf, sich so nah wie möglich zu kommen. Gemeinsam mit den Zürcher Mitgliedern des Kollektivs reisen sie an die engste Stelle der Meerenge: Keng nach Xiamen, Wen-Chi nach Kinmen. Sechs Kilometer liegen dazwischen. Sie stehen sich gegenüber – und sehen sich doch nicht.

Ballone steigen, Telefone klingeln, Boote werden gemietet, Feuerwerk gezündet. Trotzdem bleibt die Sicht verschwommen, die Distanz spürbar. Am Ende des Tages bleibt nur der Bildschirm: ein Zoom-Meeting, in dem die Lage neu verhandelt wird.

Im Rahmen von OPEN STUDIO wird dieser Versuch, Nähe trotz Trennung zu schaffen, in einen performativen Resonanzraum überführt. Drei voneinander getrennte Klangräume spiegeln die geografischen und politischen Realitäten des Kollektivs – Taiwan, China und Europa als akustisch isolierte und doch miteinander resonierende Erfahrungsräume. So entsteht eine audio-visuelle Performance zwischen dokumentarischem Theater und fiktionaler Suche: eine poetische Momentaufnahme einer fragmentierten und dennoch unweigerlich verbundenen Welt.

Keng: – „Kannst du mich sehen?“

Wen-Chi: – „Wo bist du?“

RESIDENZ FEBRUAR 2026
Aufführungen 26.02. – 28.02.2026

Photo © Mischa Christen
Photo © Samuele_Cherubini

Anna Papst / Vincent Glanzmann

Anna Papst ist Autorin, Regisseurin und Dramaturgin. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen dokumentarischem Erzählen und szenischer Verdichtung – oft dort, wo Erinnerungen, Stimmen und Brüche eine neue Form suchen. Mit dem von ihr entwickelten Format Reportage fürs Theater machte sie Interviews und persönliche Geschichten als poetisch verdichtete Bühnenwerke erfahrbar. In Projekten mit Mats Staub oder Dimitri de Perrot – u. a. NIEMANDSLAND, UNTER UNS, INTIME REVOLUTION – arbeitet sie mit Formaten, die die Zuschauer:innen ganz auf ihr Gehör zurückwerfen. www.annapapst.ch

Vincent Glanzmann ist Schlagzeuger, Sounddesigner und Creative Director. Der international tätige Künstler wurde in Tokio, Japan, geboren und lebt derzeit in Zürich, Schweiz. Nach seinem Jazzstudium an der Hochschule Luzern arbeitet er international in den Feldern Musik, Theater, Tanz und Design. 2017 erhielt er ein Werkjahr Jazz/Pop/Rock der Stadt Zürich, seit 2023 ist er Stipendiat der Arvore Foundation. Seine Praxis verbindet Schlagzeug und Elektronik, Improvisation und Komposition. Oft richtet er den Fokus auf Klänge, die sonst überhört werden, und Rhythmen, die verdrängte Geschichten freilegen – Räume, die durch Resonanz in Klang und Körper erfahrbar werden. www.vincentglanzmann.com

Projektbeschrieb
«unerhört ungestört (AT)»

In der Diskriminierung von Frauen gibt es die jahrtausendealte Praxis, Frauen als verrückt zu bezeichnen und ihnen dadurch ihre Glaubwürdigkeit abzusprechen. Unliebsame Stimmen, die etwa von Sexismus, partnerschaftlicher Gewalt oder sexuellen Übergriffen berichten, werden auf diese Weise bagatellisiert oder ganz zum Schweigen gebracht.

Frei nach Virginia Woolfs «A Room of One’s Own», in dem die Autorin für jede Frau ein eigenes (abschliessbares) Zimmer zur Selbstentfaltung fordert, kreiert Anna Papst in ihrer ersten lyrischen Sammlung gemeinsam mit dem multidisziplinären Künstler Vincent Glanzmann die Fiktion eines Hauses, in dem jede Frau ein Zimmer hat, in dem ihre Stimme hörbar gemacht wird und ihre Erfahrungen Teil einer kollektiven Erzählung werden.

Mit den soundtechnischen Aufnahme- und Abspielmöglichkeiten, die aus dem Projekt «Niemandsland» von Dimitri de Perrot übernommen werden dürfen, verschaffen Anna Papst und Vincent Glanzmann jedem:r Besucher:in einen akustischen Besuch dieses Hauses und die Begegnung mit den Frauen, die es bewohnen. Text und Klang erschaffen eine durchlässige Szenerie zwischen Innenleben und Aussenwelt.

RESIDENZ MÄRZ 2026
Aufführungen 26.03. – 28.03.2026

Photo © Khasim Ndiwalana

Fazil On Yu

Fazil On Yu ist Choreograf, Performer und Klangkünstler mit Wurzeln in Uganda und lebt in Winterthur. Seine Arbeit bewegt sich zwischen Theater, Klangkunst und Aktivismus – an der Schnittstelle von politischem Engagement, sozialer Reflexion und sensorischer Raumerfahrung. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Uganda, geprägt von mündlichen und gemeinschaftlichen Erzähltraditionen, bringt er eine Perspektive mit, die in Dialog mit seiner neuen Umgebung in Europa tritt.

Seine Arbeiten befassen sich mit Fragen der Zugehörigkeit, des Verlusts und der Identität und verbinden persönliche Erfahrungen mit sozialem Engagement. Er versteht Theater als Raum für Intervention, Empowerment und kollektives Gedächtnis. Seine Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem im Uganda National Theatre, auf verschiedenen afrikanischen Kunstfestivals sowie auf Performance-Plattformen in Zürich und Europa. Im Jahr 2022 erhielt er den renommierten Prince Claus Award in Amsterdam und 2021 den Movimentale Dance Arts Festival Award in Neapel, Italien. www.fazilonyu.com

Projektbeschrieb
«Until They Hear Black Voices»

Im Zentrum von Fazil On Yus Arbeit steht das Gehör: Erfahrungen von Ausgrenzung, Unsichtbarkeit und dem Suchen nach Orientierung in einem Raum, der ihm oft kein Echo bietet. Mit Until They Hear Black Voices entwickelt er eine klangnarrative Performance, die Stimmen und Geschichten Schwarzer Menschen in der Schweiz und Europa hörbar macht – eine Erzählung von komplexen Kämpfen, Verlust und Identität.

Ausgangspunkt sind Audioaufnahmen, Interviews, Gedichte und eigene Musikstücke, die er in Zürich gesammelt und produziert hat. In OPEN STUDIO werden sie zu einem Resonanzraum verwoben: Fragmente, die nicht nur dokumentieren, sondern eine neue Form des Erzählens suchen – zwischen Installation und Performance, zwischen Klang und Körper.

Inspiriert von den nächtlichen Feuerversammlungen seines Heimatdorfs, an denen erzählt, zugehört und erinnert wurde, überträgt Fazil diese kreisförmige Praxis in den urbanen Raum. Er verbindet afrikanische Storytelling-Tradition mit Klangbildern des hiesigen Alltags und entwirft so eine poetische Annäherung an eine Sprache des Dazwischen – dort, wo Herkunft und Gegenwart, persönliche Erinnerung und kollektive Erfahrung ineinanderfließen. OPEN STUDIO mit Fazil On Yu wird so zum Ort, an dem das Schweigen durchbrochen und Stimmen hörbar werden, die sonst ungehört bleiben – ein akustischer Raum der Begegnung, Fragilität und Resonanz.

CREDITS

Künstler:innen
Zainab J Lascandri, supported by Fatima Moumouni, Tracy September & Brandy Butler
RRRRRR Collective: Keng Chen, Wen-Chi Liu, Eneas Nikolai Prawdzic, Dino Radoncic,
Nathalie Stirnimann, Stefan Stojanovic
Anna Papst / Vincent Glanzmann
Fazil On Yu

Dokumentation
Textdokumentation: Smilla Diener, Salomé Voegelin
Videodokumentation: Jessie Fischer

Team Studio DdP
Konzept, künstlerische Leitung und Produktion: Dimitri de Perrot
Tontechnik: Max Molling
Lichtgestaltung: Karl Egli / Gruppen
Konstruktion Bühnenbild: Leo Hoffmann
Bühne: Lea Meierhofer
Technische Leitung: Raphaël Vuilleumier
Kommunikation und Think Tank: Christoph Meier

Team Gessnerallee
Produktionsleitung: Anja Mayer
Diversitätsagent und künstlerische Begleitung: Manuel Gerst

Produktion
Verein Studio DdP

Koproduktion
Theaterhaus Gessnerallee Zürich

Mit der Unterstützung von:
Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Landis & Gyr Stiftung, Hans F. Tellenbach-Stiftung.

Das Projekt «Imagine A Black Child» von Zainab J Lascandri wird zusätzlich von Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung unterstützt.

Das Projekt «Wen Keng We Meet? – On Connection» vom RRRRRR Collective wird zusätzlich von der Pro Helvetia, Sinokultur, der Albert Huber-Stiftung und der Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung unterstützt.

The texts featured in the project “unerhört ungestört” were created as part of the “Freiraumbeitrag” grant awarded to Anna Papst by the Canton of Zurich Culture Office.

Dimitri de Perrot / Studio DdP wird von der Stadt und dem Kanton Zürich mit einer Konzeptförderung / Mehrjährige Gruppenförderung 2024-2027 unterstützt. Er ist «Artist in Residence» vom Le Centquatre – Paris.

OPEN STUDIO nutzt Elemente aus dem Bühnenstück NIEMANDSLAND von Dimitri de Perrot; die entsprechenden Credits finden sich hier.

NEXT

OPEN STUDIO #1
Zainab Lascandri with
Fatima Moumouni, Tracy September & Brandy Butler
16 – 18 December 2025
Gessnerallee Zurich – CH

OPEN STUDIO #2
RRRRRR Collective:
Keng Chen, Wen-Chi Liu, Eneas Nikolai Prawdzic, Dino Radoncic,
Nathalie Stirnimann und Stefan Stojanovic
29 – 31 January 2026
Gessnerallee Zurich – CH

OPEN STUDIO #3
Anna Papst / Vincent Glanzmann
26 – 28 February 2026
Gessnerallee Zurich – CH

SCHAUFENSTER #3
Kollektiv International Totem
27 February – 1 March 2026
Sonic Matter, Zurich– CH

OPEN STUDIO #4
Fazil On Yu
29 – 31 March 2026
Gessnerallee Zurich – CH

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